Montag, 15. Dezember 2014

BVB Krise: Fünf mögliche Gründe...

Borussia Dortmund ist nicht in der Lage, die Krise abzuwenden. Die Ursachen für den seltsamen Formverfall sind vielschichtig. Die mangelhafte Integration der Zugänge ist nur ein Teil des Problems. 


1. Mangelhafte Integration der Zugänge

Borussia Dortmund musste in den vergangenen Jahren immer wieder wichtige Leistungsträger abgeben: 2011 verließ Nuri Sahin den Verein, 2012 Shinji Kagawa und 2013 Mario Götze. Konnten diese Abgänge durch eine geschickte Personalpolitik zunächst noch kompensiert werden – Ilkay Gündogan und Marco Reus wurden verpflichtet –, war der Abgang von Robert Lewandowski nicht mehr aufzufangen. Der polnische Stürmer hatte sich mehr und mehr zu einer spielbestimmenden Figur entwickelt.

Speziell in der vergangenen Saison, als sein Wechsel zu Bayern München bereits feststand, war Lewandowskis Rolle für das Dortmunder Spiel bedrohlich dominant geworden: Die Mannschaft verließ sich fast nur noch auf ihn. Ohne Lewandowski hätte es wohl schon früher erste Krisensymptome gegeben.

Da es unmöglich war, Lewandowski zu ersetzen, wurden andere Stürmertypen verpflichtet: Adrian Ramos geht in die Tiefe, lebt von seiner Schnelligkeit, Ciro Immobile ist ein reiner Strafraumstürmer. Strategische Fähigkeiten und herausragende Stärken im Kombinationsspiel wie Lewandowski haben beide nicht. Trotzdem aber versuchen die Dortmunder, weiterhin das Spiel so aufzuziehen, als ob sie einen Schlussspieler von Lewandowskis Klasse hätten. Eine Problematik, die bislang ungelöst ist.


2. Massive Verletzungsprobleme

In Marco Reus und Sokratis hatte Jürgen Klopp in Berlin nur den Ausfall von zwei Stammspielern zu beklagen. Das heißt allerdings nicht, dass alle anderen Profis in guter Verfassung sind. Ob Neven Subotic, Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Sven Bender, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Jakub Blaszczykowski, Henrikh Mkhitaryan – mehr oder wenige alle wichtigen Spieler hatten entweder langwierige Verletzungen hinter sich oder fielen während der Saison immer wieder aus. Bei Mkhiktaryan wurde nun ein Muskelbündelriss diagnostiert, er wird mindestens sechs Wochen fehlen.

Die Vielzahl von Verletzten hatte und hat massive Auswirkungen auf die Statik des Teams. Eine spezielle Hypothek war die von zahlreichen Personalproblemen überschattete Saisonvorbereitung: So rührt die nur mangelhaft vollzogene Integration der Zugänge nicht zuletzt daher, dass sie sich nie mit der Stammmannschaft einspielen konnten, da immer wieder Spieler verletzt waren oder die fünf BVB-Spieler aus dem Weltmeisterkader der Nationalelf erst mit mehrwöchiger Verspätung in die Vorbereitung einsteigen konnten.


3. Auswirkungen der WM

Die Probleme mit dem verspäteten Trainingseinstieg der Weltmeister hatten nicht allein die Dortmunder zu bewältigen. Aber im Gegensatz zu den Stars des FC Bayern, die in deutlich größerer Zahl in Brasilien vertreten waren, fehlten den Borussen schlicht Erfahrungswerte im Umgang mit den zusätzlichen Belastungen durch ein langes, intensives Turnier und vor allem auch mit den Auswirkungen des Titelgewinns.

Es kann kein Zufall sein, dass Erik Durm, Matthias Ginter, Roman Weidenfeller und Kevin Großkreutz massive Formprobleme haben. Weidenfeller verlor sogar nach zehn Jahren seines Status als Nummer eins. Großkreutz war in Berlin nicht einmal im Kader.

Der einzige Dortmunder Weltmeister, dessen Formbarometer derzeit akzeptable Werte aufzeigt, ist tatsächlich der einzige wirkliche Weltmeister: Mats Hummels hat in Brasilien eine wichtige Rolle gespielt. Durm, Ginter, Weidenfeller und Großkreutz waren Statisten beim Sommermärchen – auch dies will mental verarbeitet werden.


4. Unklare Hierarchien in der Mannschaft

Vor Saisonbeginn wurde ein Kapitänswechsel vollzogen. Nach sechs Jahren hatte Sebastian Kehl die Spielführerbinde abgegeben Er wollte den Staffelstab weitergeben, hatte der Ex-Nationalspieler gesagt. Klopp hatte diese Entscheidung akzeptiert und Hummels zum neuen Kapitän ernannt. Doch Hummels sagt selbst, dass er in diese Rolle "noch hineinwachsen muss". Fakt ist: Hummels ist mit seiner Klasse zwar ein wichtiger Faktor für die Lösung der Dortmunder Probleme – aber er verhielt sind in den vergangenen Monaten nicht immer wie ein Kapitän.

Nach dem 0:1 gegen Hannover hatte er sich öffentlich darüber gewundert, dass der Ball beim Gegentor "sehr lange geflogen" ist. "Ich war wirklich überrascht, dass der ins Tor geflogen ist", hatte er gesagt. Eine Kritik an Weidenfeller? Hummels ruderte später zurück. Doch sechs Wochen später saß Weidenfeller tatsächlich auf der Bank.

Es gibt Indizien, dass die Mannschaft nicht mehr so homogen ist wie in den vergangenen Jahren. Vor dem Sieg über Hoffenheim (1:0) war es nicht Hummels, sondern Ex-Kapitän Kehl, der in der Kabine eine Motivationsrede hielt.


5. Mangel an Erfahrung im Abstiegskampf

Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Zweifel an den Fähigkeiten der Mitspieler sind keine ungewöhnlichen Symptome einer so schweren Krise. Besonders dann nicht, wenn sich eine Mannschaft, die für Titelkampf und die Champions League zusammengestellt worden ist, völlig unerwartet in solch einer prekären Situation wiederfindet. Es ist wie ein Kulturschock: Spieler, die sich bislang in erster Linie durch ihre technischen Fähigkeiten und über ihren fußballerischen Anspruch definiert haben, müssen sich komplett anderen Herausforderungen stellen.

Das "Kratzen" und "Beißen" liegt den Dortmundern nicht. Und dem Trainer ist es bislang nicht gelungen, den Profis die Mentalität zu vermitteln, die nötig ist, einen Abstiegskampf erfolgreich bestreiten zu können: Gegentore und Fehler lösen bei den Spieler Selbstzweifel aus. "Ich weiß wie Abstiegskampf geht", beteuert Jürgen Klopp und verweist als Beleg auf seine Zeit als Spieler und Trainer bei Mainz 05. Doch der gravierende Unterschied ist: Für die Mainzer war der Existenzkampf nichts Ungewöhnliches. Die Fallhöhe für die Dortmunder, die im Mai 2013 noch im Champions-League-Finale standen, ist dagegen bedrohlich hoch.

Den Beweis, dass er diesen Sturz stoppen kann, ist Klopp trotz aller Verdienste um den BVB bislang schuldig geblieben. "Ich höre im Wochenrhythmus, was für eine großartige Mannschaft wir sind. Aber diese großartige Mannschaft hat auch großartige Probleme", sagte Klopp und gab Zweifel an seinem Wirken zu: " Wenn du Trainer beim Tabellen-16. bist, dann musst du dich ständig hinterfragen."

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Transfergerüchte: Stephan El Shaarawy vom AC Mailand...

So langsam aber sicher entspannt sich die Personallage bei Borussia Dortmund. Superstar Marco Reus wird allerdings erst im Januar wieder ins Training zurückkehren. Dort könnte er dann laut einem Zeitungsbericht aus Italien auf Stephan El Shaarawy treffen, der momentan mit dem AC Mailand den eigenen Ansprüchen weit hinterherhinkt.



Glaubt man italienischen Medien, könnte der Nationalspieler dann womöglich einen neuen Teamkollegen begrüßen. Laut einem Bericht der Zeitung ‚Corriere della Serra‘ buhlt der BVB mit Nachdruck um Stephan El Shaarawy vom AC Mailand. Demzufolge haben sich Vertreter der ‚Schwarz-Gelben‘ vergangene Woche mit dem Management des Außenstürmers getroffen, um einen Transfer im Winter auszuloten.

Fakt ist: El Shaarawy zählt zu den begabtesten Spielern in Italien. Aufgrund zahlreicher Verletzung konnte der 22-Jährige allerdings nicht halten, was sich Experten vor Jahren von dem technisch überragenden Rechtsfuß versprochen hatten. Und auch in dieser Spielzeit agiert der elffache Nationalspieler bei Milan keinesfalls überragend. Einen Treffer und drei Vorlagen hat der Offensivmann bislang beigesteuert, unter Trainer Filippo Inzaghi ist El Shaarawy nicht immer gesetzt.

Sein Vertrag in der Modestadt läuft noch bis 2018. Ein Schnäppchen wäre der ‚Pharao‘, wie El Shaarawy wegen seines ägyptischen Vaters genannt wird, also nicht. Wohl aber ein Akteur mit außergewöhnlichem Potenzial, der bei entsprechender Entwicklung das Zeug hätte, Reus auf Linksaußen-Position oder auch hinter der Spitze zu beerben.

In rund drei Wochen öffnet der Wintertransfermarkt seine Pforten. Dann wird sich zeigen, ob die Borussia dem Spieler ernsthafte Avancen macht. Ein Problem mit der Spielberechtigung für die Champions League gäbe es zumindest nicht – denn Milan ist in Italien momentan nur biederer Durchschnitt. Für den internationalen Wettbewerb hat sich der Achte der abgelaufenen Saison nicht qualifiziert.

Montag, 8. Dezember 2014

Weidenfeller: Ist das das Ende einer Ära?

Wegen einer „Bauchentscheidung“ von Jürgen Klopp saß Roman Weidenfeller beim 1:0-Sieg gegen Hoffenheim überraschend nur auf der Bank. Plötzlich erscheint die Zukunft des Nationalspielers bei Borussia Dortmund unsicher.



Die etwas überraschende Umstellung von Jürgen Klopp hat sich ausgezahlt. Beim 1:0-Erfolg über die TSG Hoffenheim hielt Mitch Langerak den Kasten sauber – auch wenn der Australier letztlich nicht vor besonders knifflige Aufgaben gestellt wurde. Klar ist aber auch: Klopp hat nun vorerst keinen echten Grund, den eigentlichen Stammkeeper Roman Weidenfeller wieder zwischen die Pfosten zu beordern. Wie die ‚Bild‘ berichtet, spricht einiges dafür, dass Langerak auch in der Champions League-Partie am morgigen Dienstag gegen den RSC Anderlecht im Tor steht.

Was eine dauerhafte Degradierung zur Nummer zwei für Weidenfeller bedeuten würde, kann nur spekuliert werden. Laut ‚Bild‘ wäre in diesem Fall ein vorzeitiger Abschied des Weltmeisters denkbar. Vertraglich ist der 34-Jährige eigentlich noch bis 2016 an Borussia Dortmund gebunden. „Der Trainer hat es ja begründet, es war eine Bauch-Entscheidung. Und keine Entscheidung für die ganze Saison“, macht Michael Zorc dem Routinier Mut.

Klar ist aber auch: Der BVB fahndet bereits seit geraumer Zeit nach einer neuen Lösung auf der Torhüter-Position. Als heißeste Kandidaten wurden in den zurückliegenden Wochen Timo Horn, Kevin Trapp, Roman Bürki und Ron-Robert Zieler gehandelt. Auch Langerak, der sich in vier Jahren bei der Borussia als zuverlässiger Backup präsentiert hat, ist ein potenzieller Nachfolger – und dies offenbar früher als bislang allgemein vermutet.

Abzuwarten bleibt nun, wie Klopp in der Personalie weiter verfährt. So oder so: Ein Abschied von Weidenfeller schon im Winter ist nahezu ausgeschlossen. Dass er über den Sommer hinaus als Ersatzmann bleibt, ist allerdings fast ebenso unwahrscheinlich. Schließlich hat der Ex-Lauterer immer wieder betont, seine Karriere noch einige Jahre fortsetzen zu wollen: „Sicher ist, dass ich meine Karriere 2016 nicht beenden möchte. Ich würde gerne noch ein paar Jährchen dranhängen.“ Wo das dann sein wird, steht momentan in den Sternen.