Montag, 8. Dezember 2014

Weidenfeller: Ist das das Ende einer Ära?

Wegen einer „Bauchentscheidung“ von Jürgen Klopp saß Roman Weidenfeller beim 1:0-Sieg gegen Hoffenheim überraschend nur auf der Bank. Plötzlich erscheint die Zukunft des Nationalspielers bei Borussia Dortmund unsicher.



Die etwas überraschende Umstellung von Jürgen Klopp hat sich ausgezahlt. Beim 1:0-Erfolg über die TSG Hoffenheim hielt Mitch Langerak den Kasten sauber – auch wenn der Australier letztlich nicht vor besonders knifflige Aufgaben gestellt wurde. Klar ist aber auch: Klopp hat nun vorerst keinen echten Grund, den eigentlichen Stammkeeper Roman Weidenfeller wieder zwischen die Pfosten zu beordern. Wie die ‚Bild‘ berichtet, spricht einiges dafür, dass Langerak auch in der Champions League-Partie am morgigen Dienstag gegen den RSC Anderlecht im Tor steht.

Was eine dauerhafte Degradierung zur Nummer zwei für Weidenfeller bedeuten würde, kann nur spekuliert werden. Laut ‚Bild‘ wäre in diesem Fall ein vorzeitiger Abschied des Weltmeisters denkbar. Vertraglich ist der 34-Jährige eigentlich noch bis 2016 an Borussia Dortmund gebunden. „Der Trainer hat es ja begründet, es war eine Bauch-Entscheidung. Und keine Entscheidung für die ganze Saison“, macht Michael Zorc dem Routinier Mut.

Klar ist aber auch: Der BVB fahndet bereits seit geraumer Zeit nach einer neuen Lösung auf der Torhüter-Position. Als heißeste Kandidaten wurden in den zurückliegenden Wochen Timo Horn, Kevin Trapp, Roman Bürki und Ron-Robert Zieler gehandelt. Auch Langerak, der sich in vier Jahren bei der Borussia als zuverlässiger Backup präsentiert hat, ist ein potenzieller Nachfolger – und dies offenbar früher als bislang allgemein vermutet.

Abzuwarten bleibt nun, wie Klopp in der Personalie weiter verfährt. So oder so: Ein Abschied von Weidenfeller schon im Winter ist nahezu ausgeschlossen. Dass er über den Sommer hinaus als Ersatzmann bleibt, ist allerdings fast ebenso unwahrscheinlich. Schließlich hat der Ex-Lauterer immer wieder betont, seine Karriere noch einige Jahre fortsetzen zu wollen: „Sicher ist, dass ich meine Karriere 2016 nicht beenden möchte. Ich würde gerne noch ein paar Jährchen dranhängen.“ Wo das dann sein wird, steht momentan in den Sternen.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

BVB: Die Zielsetzung muß sich ändern...

Wie beendet man einen Negativ-Lauf? Unter vielen Aspekten trägt die angeschlagene Psyche zum Absturz von Borussia Dortmund bei. Experten raten, sich von alten Ansprüchen loszusagen. Klopp kündigt eine Reaktion an. 

Die Krise im Dortmunder Fußballtheater ist inzwischen so vielschichtig, dass man als Beobachter leicht den Überblick verlieren kann. Haben sich die Gegner auf die Überfall-Gegenpressing-Pressing-Taktik eingestellt? Hat sich Jürgen Klopp als Trainer verbraucht? Reicht die Kondition der Spieler nicht mehr für den aufwändigen Stil? Sind die Zugänge zu schlecht? Oder die Verletzten zu zahlreich? Fehlt einfach das Glück? Für sich genommen kann nichts davon die Wandlung eines Champions-League-Finalisten 2013 in einen Dezember-Letzten 2014 erklären. Am Ende könnte es die Summe vieler Einzelteile sein.

Nun ist allerdings auffällig, dass die Verantwortlichen zunehmend die Psyche ins Spiel bringen. Sie drängen darauf, dass Spieler wie Trainer sich auf die Realität einstellen: Sich nicht weiterhin als Konkurrent der Bayern fühlen, sondern erst mal Hoffenheim und Berlin schlagen.

"Es sollte eine Zielanpassung erfolgen", rät Henning Plessner, Professor für Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Sportpsychologie an der Universität Heidelberg: "Von außen sieht es ein bisschen so aus, als hätte man sich in Dortmund etwas zu lange an das Saisonziel Champions-League-Platz geklammert." Da sich dieses Ziel von Niederlage zu Niederlage immer weiter entfernt, könne es sein, dass man sich in der Mannschaft nicht mehr auf ein gemeinsames Ziel einigen könne. Der eine möchte gerne international glänzen, der andere mit Kraft und Anstrengung in Paderborn gewinnen. Fehle diese in der Sportwissenschaft sogenannte "aufgabenbezogene Kohäsion", beeinflusse das nachgewiesenermaßen die Leistung einer Mannschaft, sagt Plessner.

Wie man so einen Negativ-Lauf beendet? Außer einer neuen, gemeinsamen Zielsetzung hat auch die Sportpsychologie kurzfristig keine Zaubertränke zu bieten. "Grundsätzlich zielt sportpsychologische Betreuung eher auf mittel- und langfristige Entwicklungen und nicht auf 'Notsituationen'", erklärt Plessner. Doch ob die Dortmunder auf die Notsituation Platz 18 vorbereitet sind? Wie erklärt man hochdekorierten Spielern wie Shinji Kagawa, Henrikh Mkhitaryan und Ciro Immobile oder den Weltmeistern Erik Durm, Kevin Großkreutz und Mats Hummels, dass ihr Maßstab jetzt nicht mehr Bayern München, sondern der Hamburger SV ist?


Montag, 1. Dezember 2014

Klopp: "Wir sind mitten im Abstiegskampf"- Rücktritt?

Es ist schon skurril, was sich gerade bei Borussia Dortmund abspielt. Nach der 0:2-Pleite bei Eintracht Frankfurt ist der große BVB am absoluten Tiefpunkt angekommen, und so muss sich selbst Jürgen Klopp die Frage gefallen lassen, ob er noch der richtige Mann für den Job ist. Klopp, der einst unangreifbare Meistertrainer, der die Schwarz-Gelben wachgeküsst hat. Rauswerfen wird ihn der Klub nicht so schnell, so viel sicher. Daher konzentriert sich alles auf die Frage: Behält der Trainer die Nerven oder wirft er in der schwierigsten Situation seiner Karriere von alleine hin. "Es gibt keine Tendenz dazu. Ich stelle mich der Verantwortung", sagte der Coach nach dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz.


Schon seit Längerem wirkt der BVB-Trainer ratlos, wie er diese prekäre Herausforderung beim taumelnden Champions-League-Finalisten von 2013 meistern soll. Das Spiel in Frankfurt konnte diesen Eindruck nicht ändern. "Wir wollten unsere Lage dramatisch zum Positiven ändern. Das ist uns nicht gelungen. Ganz im Gegenteil", gab Klopp zu. Dennoch sieht sich der 47-Jährige bei den Westfalen noch nicht am Ende. Ein Hintertürchen für eine alternative Lösung lässt er allerdings offen: "Wenn nur das Glück zählt und ein Trainerwechsel das bringt, muss man mich nur anrufen, dann mache ich den Weg frei."

Trotz der dramatischen Lage denkt der Klub aber nicht daran, sein Aushängeschild vor die Tür zu setzen. Alle wissen, was sie Klopp zu verdanken haben. "Wir sind überzeugt, mit Jürgen da unten rauszukommen", sagte Sportdirektor Michael Zorc deutlich.

Immerhin scheinen Verantwortliche und Fans den Ernst der Lage erkannt zu haben. Während die Anhänger ihre Mannschaft nach der enttäuschenden Pleite beim FC Arsenal noch überschwänglich feierten, gab es nach dem erneuten Debakel in der Bundesliga erstmals Pfiffe und vereinzelt sogar Stinkefinger in Richtung der Idole. Auch die Klubchefs sprachen Klartext: "Wir sind mitten im Abstiegskampf", sagte Zorc und forderte möglichst viele Punkte, um vor der Winterpause wenigstens die Abstiegsränge zu verlassen. Bei den ambitionierten Westfalen werden inzwischen ganz kleine Brötchen gebacken, schließlich hat das Team fast drei Mal so viele Bundesliga-Niederlagen auf dem Konto (8) wie der vermeintliche Rivale Bayern München Gegentore (3)!

In Frankfurt kamen die Gegentreffer Nummer 20 und 21 dazu, und wenn die Frankfurter zielstrebiger gewesen wären, hätten es locker noch drei, vier mehr sein können. Es gibt derzeit einfach keine leichtere Aufgabe, als die BVB-Abwehr zu zerlöchern. Den frühen Rückstand kassierten die Borussen nach nur fünf Minuten. Einen Dortmunder Angriff fing die Eintracht lässig ab und mit einem einzigen Steilpass von Marco Russ über 50 Meter war die Borussia bloßgestellt. Alex Meier bedankte sich mit dem 1:0. Das zweite Gegentor war Slapstick pur: Abwehrspieler Matthias Ginter köpfte den Ball am heraus eilenden Torhüter Roman Weidenfeller vorbei und Haris Seferovic musste 13 Minuten vor Schluss nur aufpassen, dass er vor lauter Schadenfreude nicht den Torschuss vergisst. Besser lässt sich der BVB der Saison 2014/15 nicht beschreiben.

Denn zwischen den beiden Nackenschlägen präsentierte sich Schwarz-Gelb zwar bemüht und mit Chancen - aber auch das gehört ja zur Borussia, selbst beste Möglichkeiten liegen zu lassen. Henrich Mchitarjan (7.), Pierre-Emerick Aubameyang (24.) sowie der noch im ersten Durchgang eingewechselte Adrian Ramos (51.) scheiterten am starken Frankfurter Torhüter Felix Wiedewald. Auch Ilkay Gündogan fand mit einem platzierten Freistoß (80.) seinen Meister im Eintracht-Ersatzkeeper. Richtig zwingend wirkten die Dortmunder aber trotzdem nicht. Auch wenn "der Mannschaft der Willen nicht abzusprechen ist", wie Zorc anerkannte, so strahlte der BVB wieder keine absolute Bereitschaft aus, sich zu zerreißen um den ersten Sturz auf Rang 18 seit der Saison 2007/08 zu verhindern.